Manchmal ist man einfach zu alt & neulich im Supermarkt

Gestern Abend hat Uriah Heep in San Antonio gespielt! Eigentlich wollte ich genau dort auch zum Konzert. Etwas Kopfzerbrechen hat mir die Tatsache gemacht, dass der Statepark auf dem ich campe um 22 Uhr die Tore schließt. Dass bedeutet einerseits, dass man gut bewacht ist, andererseits aber, danach geht nichts mehr. Ich fahre also zur Rockbox, das ist so eine Location wie die Batschkapp in Frankfurt, mit der Hoffnung, dass es vielleicht ja schon um 19 Uhr los geht. Ja, Beginn ist tatsächlich um seven p.m., aber es gibt drei Vorbands. UH soll ab ca. 22:30 für eine Stunde spielen. Ich unterhalte mich mit einigen Roadies vor dem Musiktempel über mein Problem. Die meinen, ich könnte mit meinem Auto hier auf dem Parkplatz übernachten, sie feiern eh die ganze Nacht. Ich überlege! Ich schaue an mir herunter, meine Chucks rufen mir „Rock`n Roll“ entgegen. Ich weis nicht…, dass ist der Moment, in dem ich feststelle, dass es Dinge gibt, dafür bin ich einfach zu alt. Das überlasse ich der Generation meiner Jungs. Ich fahre zurück auf den Campground und begnüge mich mit einer Playlist von UH im Auto. Auch ganz nett!

Die USA haben allerlei Skurriles, bemerkenswertes oder einfach nur anderes zur bieten. Auch ein Besuch im Supermarkt meines Vertrauens, macht da keine Ausnahme.
An der Kasse wird man beispielsweise nebenbei gefragt, ob man IHN vergessen hat!

Bemerkenswert fand ich heute folgendes. Zum einen das Kühlregal mit den Geburtstagstorten. Doch bevor ich dazu durchdringe, muss ich an einer Probiertheke vorbei, nicht ohne ein Stück klebriges „Was-auch-immer“ zu verspeisen. Ich würde sagen: Tapetenkleister mit ganz viel Zucker. Die Torten sehen dann so aus, wie die Geschmacksprobe vermuten ließ. Der Farbe nach zu urteilen, würden die bei uns durch den Atomwaffensperrvertrag konfisziert. In Amerika verfüttert man die überschüssigen Becquerel auf dem Kindergeburtstag.

Eine weitere Obszönität finde ich in der Campingabteilung. Dort werden klassische Campingstühle verkauft. Dazu gibt es aber !!! die in der Variante Oversized !!! Der Preis ist dann auch gleich das Dreifache. In diesem Land gibt`s einfach für alles eine XXL Variante.

Zum Abendessen habe ich mir drei „Leckereien“ zum Testen ausgesucht. Ein Erdbeertrinkjoghurt, ein Frischkäsedipp und ein Dipp mit Brezel und Humus.

Der Joghurtdrink ist das was er erahnen lässt, süß klebrig und das Gegenteil von lecker. In dem Frischkäsedipp fingen sich zum Milcherzeugnis eine Hand voll gerösteter und gesalzener Brotringe. Also: „erdbeersüß“ und „röstsalzig“ um die Kombi zu mögen muss man wohl Amerikaner sein. Was mich dagegen SEHR überzeugt hat, ist der Brezel – Humus – Dipp. Die Brezel so wie sie sein sollen, knusprig und leicht gesalzen. Der Humus ist wunderbar, könnte direkt aus Dubai sein. Dazu ist die Packung mit 1,59$ auch noch verhältnismäßig günstig. Der Frischkäsedipp hat 2,69 gekostet! Mit Blick auf den Humusdipp stelle ich für mich fest: Es gibt die Lücken, man muss sie halt finden!

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San Antonio ungeschminkt

San Antonio entwickelt sich gerade in meiner persönlichen Bestenliste ganz nach oben. Das hier ist keine Stadt, das ist ein Juwel! Die Metropole erscheint wie ein Cocktail aus unbeschwerter südlich – mexikanischer Lebensfreude, dazu ein Rahmen aus Sonne und wunderbarem Sommerlicht und noch ein Schuss Realität dazu. Trotz allem touristischem Kitsch und Nippes, wird hier nichts versteckt. Nicht klinisch rein, sondern that`s live!
Heute Morgen war ich zunächst in einer Publik Laundry. Waschtag, meine frische Wäsche geht zur Neige. Wie das alles funktioniert erklärt mir Mark. Mark ist hier Mitarbeiter und gleichzeitig Kunde! Er bearbeitet gerade die Wäsche von sich, seinen Kindern und seiner Mutter. Mark erzählt, dass er mit seiner Mutter zusammenlebt, seit ihm die Frau mit den Kindern weggelaufen ist. Dann erläutert er, dass er drei Jobs hat. Job Nummer eins wird dazu benötigt um die Wohnungsmiete zu bezahlen. Seine Mutter kauft dafür das Essen. Mit Job zwei zahlt er für seine Kinder und der dritte Job sichert sein Auto. Der Mann ist permanent beschäftigt aber trotzdem lebensfroh. Anhand der einzelnen Kleidungsstücke, die er nebenbei zusammenlegt, stellt er mir seine Kinder vor. Dabei bekommt Mark ein wunderbares Lächeln ins Gesicht. Es macht ihm sichtlich Freude.
 
In der Stadt gehe ich zunächst über den traditionellen mexikanischen Markt. Viel Touristen – Kitsch, aber als alter Souvernir-Jäger habe ich den Eindruck, dass der Kitsch hier eine relativ hohe Wertigkeit hat. Während einer Pause am River Walk lerne ich Justin kennen. Justin ist an allen möglichen und nicht möglichen Körperteilen tätowiert, und ist homeless. Wir stellen fest, dass wir gleich alt sind. Justin war bei der Army, danach hat er alles möögliche versucht und ist schließlich auf der Strasse gelandet. Was ihn am Leben hält ist die Liebe zur Musik. „Do you know Michael Schenker?“ Klar kenne ich den, für nicht-wissende, der hat mit seinem Bruder mal bei den Skorpions gespielt. Ja und genau der, war vor ein paar Tagen hier in S-A. Und er, Justin hat an dem Abend als Roadie geholfen und Michael die Hand geschüttelt. Er strahlt als er das erzählt. Wir verabschieden uns und er wünscht mir eine wunderbare Zeit in Texas. Vielleicht sehen wir uns heute Abend ja bei Uriah Heep wieder. Justin wird fragen ob es Arbeit gibt.

Ohne Worte San Antonio:
       

Business im Auftrag des Herrn

Beim Suchen nach einem Abendessen bleibe ich vor einem Shop hängen, dessen Überschrift mich anspringt. Irgendetwas mit Christian & Education lese ich über dem Eingang. Was mag sich im Zentrum des amerikanischen Bible-Belts, dahinter wohl verbergen? Ich gehe hinein und mich trifft fast der Schlag. Der Shop ist mindestens doppelt so groß wie ein gängiger mitteleuropäischer Aldi. Ich werde auch gleich angesprochen. Matthew heißt mein Gesprächspartner laut seinem Namensschild. Der scheint ja wohl jedes Klischee bedienen zu wollen. Wenn jetzt noch ein Johannes kommt, ist das Bild perfekt. Wir reden über die unfassbare Menge an Dingen, die die Welt (meines Erachtens) nicht braucht. Auf einem Schild ist zu lesen, dass Gott sich den USA zu gewendet hat, weil es sein Country ist. Hm… ich kann mir eine Spitze zum Thema Waffengesetze in Texas nicht verkneifen. Er meint darauf hin, dass es für Christen kein Problem sei, wenn sie als Antwort auf einen Killer, diesen ebenfalls killen. Das sei von Gott so gedacht, denn schließlich kommen die anderen sowieso in die Hölle. Ups, das scheint mir dann doch eine ziemlich gewagte These, deren theologische Grundlage sich mir aus dem Evangelium nicht erschließt. Aber er erzählt mir seine Auslegung mit einem solchen Strahlen auf den Augen, dass ich eigentlich in Gedanken nur Jesus zitieren kann: „Vater vergib Ihnen, denn Sie wissen nicht was sie tun“. Uff… ich muss raus, sonst bekomme ich schlechte Laune.
 
Auf dem Weg nach San Antonio fährt vor mir ein Haus auf den Highway!! So etwas live zu sehen ist wirklich beeindruckend. Ich verlasse spontan den Highway, und finde direkt daneben die Firma mit einem riesigen Musterhauspark. Im Office melde ich mich mit den Worten: „Hello I`m Ralf from Germany and want to see your houses “. “Hello I`m Jose, you are welcome”! Obwohl ich Jose erkläre, dass ich NUR schauen will, nimmt er sich Zeit und führt mich ausführlich über den Platz. Wir reden über dies und das, sowie das Konzept mit Hause umzuziehen im Allgemeinen. Irgendwie sind wir schon wieder beim Thema Heimat. Das Ganze scheint in den amerikanischen Genen total anders verankert zu sein, als bei uns. Für Jose ist klar, dass sein Haus sein Home ist, und wenn der Job wo anders stattfindet, dann zieht das Haus eben mit um. Ich finde das Ganze irgendwie sympathisch. Mein Lieblingsschriftsteller hat mal mir aus dem Herzen geschrieben: „Eine Immobilie macht i-mobil“. Wenn er sich da mal nicht getäuscht hat. Noch eine Anmerkung zum Schluss, so ein Haus geht bei 19.000,-$ los! Wenn das mal keine Ansage an unsere frivolen Preise in Deutschland ist.
 

Ohne Worte 😉

Who is Jack?

Wer in Amerika unterwegs ist, wird feststellen, dass es vieles im Überfluss gibt. Große Autos, tausende von Highway-Kilometern, Reichtum und Armut, sowie Fast Food. Ich sehe die für einen Europäer bekannten üblichen Verdächtigen. Dazu gesellen sich Anbieter die ich nicht kenne, mit mehr oder weniger kreativen Namen. Und es gibt JACK. Besser gesagt heißt die Kette „JACK IN THE BOX“. Seit ich den Werbemast in Dallas gesehen habe, geht mir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf:
Wer ist Jack?
Was ist das für ein armer Tropf, den sie hier in eine Box sperren? Vermutlich ist Jack der Retter Amerikas! Denn hier gibt es ja immer etwas zu retten. Meistens Money. Zur obligatorischen Werbung gehört als stereotype Floskel in der Regel dazu: Save your money. Ich weis nicht, ob ich mein Geld retten will. Würde andererseits diese Rettung permanent stattfinden, es gäbe keine Bettler, die im Stadtpark von Houston ihr Problem so offen zu Schau stellen müssten. Sie alle würden von Jack gerettet. Und was macht man in Amerika, man sperrt Jack, den Messias des Kapitalismus, in eine Box. Bei der Suche nach einer Location zum Frühstücken steht wie zufällig ein JACK an der Kreuzung. Okay, ein Selbstversuch. Ich bestelle einen Kaffee und einen Jack in the Box. Ich könnte ihm die Freiheit schenken. Stattdessen esse ich ihn auf. Wenigstens hat er ein ordentliches Salatblatt und zwei dicke Tomatenscheiben zwischen den Brötchenhälften. Boah, so fettig habe ich schon lange nicht mehr gefrühstückt. Aber was tut man nicht alles, zur Rettung von Jack!

Später werde ich mich fragen, was ich eigentlich von Corpus Christi erwartet habe. Für einen Theologen ist DER Name schon eine Ansage. Aber ich dachte wohl eher an Pamela Ewing, die in den 80er Jahren immer von DALLAS aus nach CC geflogen ist. Im Fernsehen sah man dabei nur schöne Menschen, schöne Strände, eine schöne Stadt. Alles Fake. Schon die Anfahrt ist eine Katastrophe. Meilenweit nur hässliche Raffinerien. Jetzt kann ich mir auch den Grund für Pam`s Reisen vorstellen, schließlich handelte die Familie Ewing mit Öl!
CC selbst erinnert ein wenig an Mallorca im März. Alles schläft. Der sterbenslangweilige Mainstream-Kitsch, mit dem in der Saison die Pauschalurlauber bespaßt werden, liegt gelangweilt herum und wartet auf bessere Zeiten. Aber für mich hat es den Vorteil, dass mir die Stadt ungeschminkt begegnet. Ein Souvernir-Shop hat offen. Unfassbar groß, dass sprengt selbst meine Phantasie. Hier lerne ich Igor kennen. Er ist Deutsch-Russe und in einem Dorf in Kasachstan groß geworden. Mit seinen bescheidenen Deutsch Kenntnissen und meinen dazu bescheidenen Englisch Möglichkeiten, kommt ein spannendes Gespräch zu Stande. Igor ist seit acht Jahren in CC und dachte hier so etwas wie Heimat zu finden. Dachte! Was ihn tröstet ist, dass er die Amerikaner selbst als „heimatlose Getriebene“ erlebt. Heute Texas, morgen Alaska, in den USA normal!
Dann besuche ich den Publik-Rest-Room und komme mit Dave und Robert ins Gespräch. Beide leben auf der Straße, und deshalb praktischerweise hier, da ist wenigstens eine sanitäre Grundversorgung gewährleistet. Wir reden über die Armen in Amerika und interessanterweise suchen die Beiden den Grund für Ihr Schicksal ausschließlich bei sich selbst. Sie haben sich vermutlich nicht genug angestrengt. Verstehe einer die Amerikaner.
 

Übrigens ich kann auch Tiere!

Forrest – Bubba – Daniel

Der Tag heute begann, als die erste Nacht im Auto auf meiner neu erworbenen Matratze beendet war. Es hätte eine gute Nacht sein können, wäre nicht diese moderne Technik. Eigentlich war geplant, die Heckklappe etwas geöffnet zu lassen, um meinen Beinen mehr Raum zu verschaffen. Nur leider piepte die Technik unentwegt, und wollte mir mitteilen, dass meine Klappe nicht ganz dicht sei. Vielleicht war ja auch der Ingenieur nicht ganz dicht, der diese Technik erdachte! Irgendwann wurde es mit zu bunt und ich begnügte mich mit dem zur Verfügung stehenden Raum, was zur Folge hatte, dass ich die Nacht ziemlich eingeklappt verbringen musste. Heute werde ich mal versuchen die Technik zu überlisten.
Von Houston aus dann noch ein kleiner Abstecher nach Galveston. Hier wurde Forest Gump ein Denkmal gesetzt. Shrimp-Restaurant, Souvenir-Shop und sogar ein Nachbau der berühmten Bank aus dem Film war vorhanden. Na klar, ich habe mich auch hingesetzt. Die Aufnahme erbrachte ein wunderbares Gespräch mit dem Verkäufer des Shops. Mich beruhigt, dass er so wie ich auch keine Shrimps mag.
Dann nach Corpus Christi. Auf einem Rastplatz lerne ich Daniel kennen. Er repariert gerade seinen Truck Baujahr 1995. Als Daniel erfährt wo ich herkomme, ist er begeistert und erzählt von seiner Zeit in der Army. Er war 10 Jahre in Pirmasens stationiert. Daniel schaut verträumt in den Himmel und meint, Pirmasens sei die beste Zeit seines Lebens gewesen. Während er so philosophiert, über lege ich angestrengt, was mir zu Pirmasens einfällt. Nichts! Aber für einen Amerikaner scheint es etwas nachhaltiges bereit zu halten. Wir verabschieden uns herzlich und er ruft mir zu: Have a nice time in Texas.

Von Nachrichten und anderen Nichtigkeiten

Heute bin ich direkt in den amerikanischen Alltag eingetaucht. Frühstück im Hotel. Es gibt Kaffee. Milch aus ganz kleinen Wegwerf – Einweg – Töpfchen. Wer mich kennt weis, ich brauche ordentlich Milch. Und dann der erste Schluck. Meine Geschmacksnerven geben ein Signal, dass bei Sympathiewettbewerben gegen Landmienen bestehen könnte. Es ist grauenhaft. Aber was ist das eigentlich. Ich entdecke im Kleingedruckten „Hazel Nut“. Oh man, will ich Nüsse futtern oder Kaffee trinken, dazu pappsüß. Die Brühe ist nicht runter zu bekommen. Zweiter Versuch diesmal mit Creme. Besser, ziemlich fett, aber zumindest geschmacksneutral.
Nebenbei läuft der Fernseher. Ich frage mich, wieviel Menschen hier eigentlich total verblödet sind. Oder abgestumpft. Im NBC-News laufen in 15 Minuten genau vier Minuten Nachrichten, dazu eine Minute Wetter-News. Die restlichen zehn Minuten sind Werbung, die mit einer irren Lautstärke in die Köpfe gehämmert werden soll. Klar, denn sie scheint ja nicht anzukommen. Wie sonst ist zu erklären, dass zunächst Werbung für Waffeln und Erdnussbutter läuft und direkt danach ein neues Medikament für Diabetes Typ 2 angeboten wird. Oh man, was für eine Mittelmäßigkeit, und keiner bemerkt etwas.
Dann mache ich mich auf die Suche nach einer Matratze. Im Matress-Shop lerne ich Samantha kennen. Das Gespräch ist sehr nett, sie empfiehlt mir eine heruntergesetzte Matratze mitzunehmen, zu nutzen und nächste Woche zurück zu bringen. Dann bekomme ich das Geld wieder. Hm, mein Gesicht sagt vermutlich so etwas wie: Und wo ist der Hacken? Worauf sie mir erläutert, dass ihre Prämie auf den Verkauf anfällt, sie diese aber AUCH bekommt, wenn die Matratze zurückkommt. Kann Sie ja nichts dafür, wenn die nur sch… Qualität liefern. Ne wenn sie meint!
Auf dem Weg nach Houston bin ich heute an Palästina, Athen und Korsika vorbeigekommen. Welch eine Reise. Bei ihrer Namensauswahl sind die Amerikaner schon kreativ. Und Huntsville habe ich gesehen. Hinter diesem Wall werden also Menschen umgebracht. Ich mag den Begriff hinrichten nicht, dass klingt für mich verniedlichend. Nein umgebracht, ihres Lebens beraubt. Der Staat nimmt sich das Recht, über Leben und Tot zu entscheiden. Blos weg von diesem unappetitlichen Ort. In Houston dann noch das Hard Rock Cafe. Es soll ja Menschen geben, die behaupten ich würde meine Urlaubsziele nach der HRC-Karte auswählen. Also gäbe es dort ein HRC, in Huntsville, hätte ich KEIN T-Shirt gekauft.
Jetzt bin ich gespannt auf die erste Nacht im Auto, mit neuer Matratze!