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Alles geht mal zu Ende

Auch der schönste Urlaub ist mal vorbei. So auch meine Zeit in Texas. Viele Eindrücke sind da und werden bleiben. Aus den schönsten und / oder wichtigsten Bildern habe ich einen Film zusammengeschnitten und auf meinem YouTube Channel online gestellt. Hier der Link dazu. Also etwas zu trinken holen und 6 Minuten Auszeit mit Ralf in Texas, viel Spaß!
Frankfurt – Texas Film

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Von oben drauf schauen

Welch ein Ausblick. Der Blick von der Plattform des 120 Meter hohen Reuinion Towers ist atemberaubend. Manchmal tut es gut, sich die Welt eine Weile von oben anzusehen. Da wird vieles kleiner und der Polarstern im eigenen Leben, ist in seiner ganzen Schönheit zu sehen. Okay, jetzt wird’s philosophisch 😉

Die Skyline ist von der Aussichtsplattform in Ihren vollen Ausmaßen zu bestaunen. Testosteron der Macht, in Glas und Stahl!

Und selbst die entscheidenden Orte des JFK Drama sind von hier gut zu erkennen. Besonders beeindruckend war jedoch, das ganze Ausmaß des Straßenverkehres in Dallas mal von oben wahrzunehmen. Welch ein Straßen-Gewusel. Die Highways sind in bis zu fünf Etagen übereinandergestapelt. Bei dem Anblick drängt es sich geradezu auf, mal über den Straßenverkehr hier nachzudenken. Also Verkehrsabläufe organisieren, DAS können sie hier! Keine Kleeblätter im Straßenbau, sondern eben übereinander.

Ebenso haben sie, zumindest in Texas, auf die völlig sinnfreie Mode, an jeder noch so bescheuerten Stelle einen Kreisverkehr zu bauen, flächendeckend verzichtet. Gut so. Stattdessen gibt es Kreuzungen mit VIER Stoppschildern!!! Das funktioniert so: Grundsätzlich hält jeder an, und wer zuerst da war, darf fahren. JA es funktioniert! Ich glaube allerdings, dass es in Deutschland nicht gehen würde. Das hat etwas mit der Grundhaltung zu tun. Die bei uns das Geschehen bestimmende Rechthaberei kennen Sie hier nicht. Für einen Amerikaner ist das aufmachen der Lücke KEINE Niederlage, sondern ein Akt zum besseren Verkehrsfluss! Dann ist natürlich festzuhalten, dass auf Grunde der Geschwindigkeitsbeschränkungen die vorhandenen Straßen viel optimaler zu nutzen sind. Keine frivole, aggressive oder entwurzelte Raserei. Ich bin NICHT EINMAL von jemand genötigt, bedrängt oder mit Lichthupe angegangen worden. Da können wir einiges lernen! Alles in allem, es ist eine entspannte Freude, in Amerika Auto zu fahren.

Dallas und der Schatten von JFK

Heute hat der Tag alles andere als positiv angefangen. Beifahrertür aufgemacht, rums… lag meine Nikon auf dem Asphalt. Jetzt will sie nicht mehr. Ich denke der Spiegel klemmt. Das muss ich zu Hause untersuchen lassen. Leider gibt es jetzt für den Rest des Urlaubes nur noch mittelmäßige Handybilder. Grmpf,..
An der Stelle jetzt zunächst für alle ein Tipp, die irgendwann mal nach Dallas mit dem Auto kommen. Das normale Public Parking ist unfassbar teuer. Zum Teil 20,-$ pro Tag und darüber. Ich fahre ans Hard Rock Cafe, von dort 300 Meter unter der Freeway Brücke und dann ist rechts ein Parkplatz der kostet 5,- $ pro Tag. Zu Fuß sind es von hier nach Downtown und zum JFK Museum keine zehn Minuten.
Womit ich beim Thema wäre. JFK ist für Dallas ein Trauma! Der Officer am Parkplatz erzählte mir freimütig, dass er es zum Schämen findet, ausgerechnet in seiner Stadt so eine Tragödie! In dem Haus, dass der Schütze nutzte, ist heute ein wirklich gut gemachtes Memorial untergebracht. Der hohe Eintrittspreis von 16,- $ ist absolut gerechtfertigt. Darin inbegriffen ist ein Audio Guide, auch in Deutsch verfügbar, der OHNE amerikanischen Pathos die Geschehnisse im November 1963 nachzeichnet. Dazu erfährt man jede Menge über Kennedy, den damaligen Zeitgeist, und warum JFK so ein Hoffnungsträger war. An dem Fenster des Schützen ist die Szene so dargestellt, wie sie damals gewesen sein soll. Das Ganze völlig unspektakulär, und deshalb durchaus glaubhaft. Hier ein Panorama der Örtlichkeit, bzw., der Blick des Schützen nach unten.


Am Ende des Tags bin ich den letzten Weg Kennedys mit dem Auto gefahren und die Gopro hat gefilmt. Das Ganze ist unter dem folgenden YouTube-Link online. Hier ist zunächst das Haus zu erkennen, der Schütze war im sechsten Stock. Nach der Kurve sind auf dem Asphalt zwei Stelle mit weißen Kreuzen auf der mittleren Spur markiert. An diesen beiden Stellen haben JFK die tödlichen Kugeln getroffen.
Link Video
Nach dieser doch sehr nachdenklichen Zeit stand noch ein Rundgang durch Downtown Dallas auf dem Programm. Hier ein Panorama mit dem Handy aufgenommen:

700 km können laaaaang sein

Heute Morgen bin ich um sieben Uhr in Del Rio losgefahren.

Das Navi hat 700 km gemeldet, was mich doch zunächst überrascht hat. Texas scheint wirklich achtmal so groß zu sein wie Deutschland. Die Einsamkeit vertreibe ich mir mit einer Playliste von Luther Vandross. Der Gute ist wohl für romantische Stunden zu zweit gut heran zu ziehen, auf dem Highway wirkt er allerdings ziemlich einschläfernd. Also muss es ein Mix aus Countrymusik richten. Das Ganze ist für den Moment an Kitsch nicht mehr zu überbieten. Ich warte nur darauf, von John-Boy Walton, Hoss Cartwright oder Rubberduck auf einen Kaffee eingeladen zu werden. Die drei kommen nicht, stattdessen winkt mich eine Highway Patrol raus. In DER Einsamkeit. Klar ist ja niemand anders da! Mir gehen schlagartig merkwürdige Gedanken durch den Kopf. Hier wirst du bestimmt jetzt von einem schießwütigen texanischen Sheriff erlegt. Der hat im Handschuhfach einen zweiten Colt, den er dann mir unterjubelt, um zu behaupten, ich hätte angegriffen. Oh je die Sonne regt die Phantasie an. Neben meinem Auto grinst mich stattdessen eine freundliche Highway-Patrolin an. High how are you? Fine thank you. Anscheinend hat sie jetzt an meinem akzentfreien Englisch messerscharf erkannt, dass ich nicht aus der Kaugummi-Englisch-Gegend bin. Oh, you are an foreign citizen? Yes i`m from Germany. Oh real, fine, sie quietscht um dann nachzuschieben: My sister lived in Heidelböörg. Okay… Heidelberg begegnet mir in letzter Zeit öfter  🙂
Sie will dann meinen Pass eigentlich gar nicht mehr sehen, sondern sich die Langeweile mit einem Plausch über Deutschland im Allgemeinen, und Heidelberg im Besonderen verkürzen. Irgendwann komme ich dann aber doch los. Für mich ist eins klar geworden: Unter den zehn Dingen, die man einmal in seinem Leben gemacht haben sollte, steht seit heute: Einmal 700 km durch die amerikanische Einsamkeit zu fahren; großartig!

Auf einem Truck Stopp komme ich mit Ruben ins Gespräch. Er erfüllt mir dann einen absoluten Kindheitstraum, ich darf in seinem Truck sitzen. Er fährt einen bildschönen Freightliner Baujahr 2012. Es ist wunderbar, mein Dad wäre begeistert gewesen.

In Dallas soll es dann zum Abschluss des Tages noch die Southfork Ranch sein. Ich begegne J.R.Ewing und mache mich aber schnell wieder vom Acker. Entsetzlich viel Kommerz, ich werde meine Kindheitserinnerung so behalten, wie die Ranch vor vierzig Jahren für mich im Fernsehen aussah.

Irgendwie wundert mich hier gar nichts mehr!

Heute über den Highway von San Antonio nach Del Rio. Die Sonne scheint und es ist genauso wie es hier sein soll, einsam! Und dann frage ich mich ob ich jetzt eine Erscheinung habe, oder die erste Fata Morgana meines Lebens sehe. Vor mir auf dem Highway zwei Radfahrer. Ich halte an. Nein mit den Beiden kann man sich unterhalten. Und beide sind richtig nett! Amerikaner, die mit Ihren Fahrrädern von Florida nach Kalifornien fahren. Okay… wir freuen uns gemeinsam uns getroffen zu haben. Ihre erste Frage lautet: „Do you like amarican food“. Damit haben die mich als Europäer ja voll auf der Breitseite erwischt. Im Gespräch stellt sich heraus, dass beide auch die hiesige Esskultur durchaus kritisch sehen. Auch bevorzugen sie, genau wie ich, ihren Kaffee OHNE Zucker oder Flavor. Übrigens sind beide mindestens zehn Jahre älter als ich! Ich bin tief beeindruckt und verneige mich.
God bless you!

Dann ist mir heute Morgen noch etwas Witziges aufgefallen. Wer hier ins Krankenhaus muss, wird anscheint nach Glaubensrichtung sortiert. Was machen Lutheraner?

Manchmal ist man einfach zu alt & neulich im Supermarkt

Gestern Abend hat Uriah Heep in San Antonio gespielt! Eigentlich wollte ich genau dort auch zum Konzert. Etwas Kopfzerbrechen hat mir die Tatsache gemacht, dass der Statepark auf dem ich campe um 22 Uhr die Tore schließt. Dass bedeutet einerseits, dass man gut bewacht ist, andererseits aber, danach geht nichts mehr. Ich fahre also zur Rockbox, das ist so eine Location wie die Batschkapp in Frankfurt, mit der Hoffnung, dass es vielleicht ja schon um 19 Uhr los geht. Ja, Beginn ist tatsächlich um seven p.m., aber es gibt drei Vorbands. UH soll ab ca. 22:30 für eine Stunde spielen. Ich unterhalte mich mit einigen Roadies vor dem Musiktempel über mein Problem. Die meinen, ich könnte mit meinem Auto hier auf dem Parkplatz übernachten, sie feiern eh die ganze Nacht. Ich überlege! Ich schaue an mir herunter, meine Chucks rufen mir „Rock`n Roll“ entgegen. Ich weis nicht…, dass ist der Moment, in dem ich feststelle, dass es Dinge gibt, dafür bin ich einfach zu alt. Das überlasse ich der Generation meiner Jungs. Ich fahre zurück auf den Campground und begnüge mich mit einer Playlist von UH im Auto. Auch ganz nett!

Die USA haben allerlei Skurriles, bemerkenswertes oder einfach nur anderes zur bieten. Auch ein Besuch im Supermarkt meines Vertrauens, macht da keine Ausnahme.
An der Kasse wird man beispielsweise nebenbei gefragt, ob man IHN vergessen hat!

Bemerkenswert fand ich heute folgendes. Zum einen das Kühlregal mit den Geburtstagstorten. Doch bevor ich dazu durchdringe, muss ich an einer Probiertheke vorbei, nicht ohne ein Stück klebriges „Was-auch-immer“ zu verspeisen. Ich würde sagen: Tapetenkleister mit ganz viel Zucker. Die Torten sehen dann so aus, wie die Geschmacksprobe vermuten ließ. Der Farbe nach zu urteilen, würden die bei uns durch den Atomwaffensperrvertrag konfisziert. In Amerika verfüttert man die überschüssigen Becquerel auf dem Kindergeburtstag.

Eine weitere Obszönität finde ich in der Campingabteilung. Dort werden klassische Campingstühle verkauft. Dazu gibt es aber !!! die in der Variante Oversized !!! Der Preis ist dann auch gleich das Dreifache. In diesem Land gibt`s einfach für alles eine XXL Variante.

Zum Abendessen habe ich mir drei „Leckereien“ zum Testen ausgesucht. Ein Erdbeertrinkjoghurt, ein Frischkäsedipp und ein Dipp mit Brezel und Humus.

Der Joghurtdrink ist das was er erahnen lässt, süß klebrig und das Gegenteil von lecker. In dem Frischkäsedipp fingen sich zum Milcherzeugnis eine Hand voll gerösteter und gesalzener Brotringe. Also: „erdbeersüß“ und „röstsalzig“ um die Kombi zu mögen muss man wohl Amerikaner sein. Was mich dagegen SEHR überzeugt hat, ist der Brezel – Humus – Dipp. Die Brezel so wie sie sein sollen, knusprig und leicht gesalzen. Der Humus ist wunderbar, könnte direkt aus Dubai sein. Dazu ist die Packung mit 1,59$ auch noch verhältnismäßig günstig. Der Frischkäsedipp hat 2,69 gekostet! Mit Blick auf den Humusdipp stelle ich für mich fest: Es gibt die Lücken, man muss sie halt finden!

San Antonio ungeschminkt

San Antonio entwickelt sich gerade in meiner persönlichen Bestenliste ganz nach oben. Das hier ist keine Stadt, das ist ein Juwel! Die Metropole erscheint wie ein Cocktail aus unbeschwerter südlich – mexikanischer Lebensfreude, dazu ein Rahmen aus Sonne und wunderbarem Sommerlicht und noch ein Schuss Realität dazu. Trotz allem touristischem Kitsch und Nippes, wird hier nichts versteckt. Nicht klinisch rein, sondern that`s live!
Heute Morgen war ich zunächst in einer Publik Laundry. Waschtag, meine frische Wäsche geht zur Neige. Wie das alles funktioniert erklärt mir Mark. Mark ist hier Mitarbeiter und gleichzeitig Kunde! Er bearbeitet gerade die Wäsche von sich, seinen Kindern und seiner Mutter. Mark erzählt, dass er mit seiner Mutter zusammenlebt, seit ihm die Frau mit den Kindern weggelaufen ist. Dann erläutert er, dass er drei Jobs hat. Job Nummer eins wird dazu benötigt um die Wohnungsmiete zu bezahlen. Seine Mutter kauft dafür das Essen. Mit Job zwei zahlt er für seine Kinder und der dritte Job sichert sein Auto. Der Mann ist permanent beschäftigt aber trotzdem lebensfroh. Anhand der einzelnen Kleidungsstücke, die er nebenbei zusammenlegt, stellt er mir seine Kinder vor. Dabei bekommt Mark ein wunderbares Lächeln ins Gesicht. Es macht ihm sichtlich Freude.
 
In der Stadt gehe ich zunächst über den traditionellen mexikanischen Markt. Viel Touristen – Kitsch, aber als alter Souvernir-Jäger habe ich den Eindruck, dass der Kitsch hier eine relativ hohe Wertigkeit hat. Während einer Pause am River Walk lerne ich Justin kennen. Justin ist an allen möglichen und nicht möglichen Körperteilen tätowiert, und ist homeless. Wir stellen fest, dass wir gleich alt sind. Justin war bei der Army, danach hat er alles möögliche versucht und ist schließlich auf der Strasse gelandet. Was ihn am Leben hält ist die Liebe zur Musik. „Do you know Michael Schenker?“ Klar kenne ich den, für nicht-wissende, der hat mit seinem Bruder mal bei den Skorpions gespielt. Ja und genau der, war vor ein paar Tagen hier in S-A. Und er, Justin hat an dem Abend als Roadie geholfen und Michael die Hand geschüttelt. Er strahlt als er das erzählt. Wir verabschieden uns und er wünscht mir eine wunderbare Zeit in Texas. Vielleicht sehen wir uns heute Abend ja bei Uriah Heep wieder. Justin wird fragen ob es Arbeit gibt.

Ohne Worte San Antonio: