700 km können laaaaang sein

Heute Morgen bin ich um sieben Uhr in Del Rio losgefahren.

Das Navi hat 700 km gemeldet, was mich doch zunächst überrascht hat. Texas scheint wirklich achtmal so groß zu sein wie Deutschland. Die Einsamkeit vertreibe ich mir mit einer Playliste von Luther Vandross. Der Gute ist wohl für romantische Stunden zu zweit gut heran zu ziehen, auf dem Highway wirkt er allerdings ziemlich einschläfernd. Also muss es ein Mix aus Countrymusik richten. Das Ganze ist für den Moment an Kitsch nicht mehr zu überbieten. Ich warte nur darauf, von John-Boy Walton, Hoss Cartwright oder Rubberduck auf einen Kaffee eingeladen zu werden. Die drei kommen nicht, stattdessen winkt mich eine Highway Patrol raus. In DER Einsamkeit. Klar ist ja niemand anders da! Mir gehen schlagartig merkwürdige Gedanken durch den Kopf. Hier wirst du bestimmt jetzt von einem schießwütigen texanischen Sheriff erlegt. Der hat im Handschuhfach einen zweiten Colt, den er dann mir unterjubelt, um zu behaupten, ich hätte angegriffen. Oh je die Sonne regt die Phantasie an. Neben meinem Auto grinst mich stattdessen eine freundliche Highway-Patrolin an. High how are you? Fine thank you. Anscheinend hat sie jetzt an meinem akzentfreien Englisch messerscharf erkannt, dass ich nicht aus der Kaugummi-Englisch-Gegend bin. Oh, you are an foreign citizen? Yes i`m from Germany. Oh real, fine, sie quietscht um dann nachzuschieben: My sister lived in Heidelböörg. Okay… Heidelberg begegnet mir in letzter Zeit öfter  🙂
Sie will dann meinen Pass eigentlich gar nicht mehr sehen, sondern sich die Langeweile mit einem Plausch über Deutschland im Allgemeinen, und Heidelberg im Besonderen verkürzen. Irgendwann komme ich dann aber doch los. Für mich ist eins klar geworden: Unter den zehn Dingen, die man einmal in seinem Leben gemacht haben sollte, steht seit heute: Einmal 700 km durch die amerikanische Einsamkeit zu fahren; großartig!

Auf einem Truck Stopp komme ich mit Ruben ins Gespräch. Er erfüllt mir dann einen absoluten Kindheitstraum, ich darf in seinem Truck sitzen. Er fährt einen bildschönen Freightliner Baujahr 2012. Es ist wunderbar, mein Dad wäre begeistert gewesen.

In Dallas soll es dann zum Abschluss des Tages noch die Southfork Ranch sein. Ich begegne J.R.Ewing und mache mich aber schnell wieder vom Acker. Entsetzlich viel Kommerz, ich werde meine Kindheitserinnerung so behalten, wie die Ranch vor vierzig Jahren für mich im Fernsehen aussah.

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