Lebenslange Reise

Heute Abend erzähle ich von einer Reise der anderen Art. Meine Liebe zum Reisen habe ich durch meinen Dad bereits in den väterlichen Erbanlagen mitbekommen. Er war Fernfahrer und hatte damit seine Berufung gefunden. Viele Jahrzehnte ist er kreuz und quer, mit einem Vierzigtonner durch Europa gefahren, und hatte immer wieder große Freude daran, die Welt neu kennen zu lernen. Einmal in meinem Leben waren wir gemeinsam im Kino. Convoy hieß der Film, und es muss 1979 gewesen sein. Hierbei handelt es sich für mich, um die Mutter aller Roadmovies! Die Hauptrolle war der Trucker Rubberduck, der von Kris Kristofferson gespielt wurde.
Und genau dieser KK, hauptberuflich Countrysänger und Songwriter, war heute Abend in der Jahrhunderthalle, Frankfurt am Main zu Gast. Wenige Tage nach seinem 81. Geburtstag, war für mich dieses Konzert eine Pflichtveranstaltung, weil… Herzensangelegenheit. Kristofferson hat für die ganz Großen Lieder geschrieben. Johnny Cash, Elvis Presley, Janis Joplin und Bob Dylan, um nur einige zu nennen, haben seine Songs gesungen und interpretiert.
Die Halle ist fast ausverkauft, viele die mit dem Star gealtert sind, aber auch jüngere Semester können im Publikum wahrgenommen werden. Analysiert man den Abend sachlich, wäre festzustellen, dass jeder Jugendliche, der den Gitarrenkurs für Fortgeschrittene in der Volkshochschule hinter sich hat, vermutlich besser ist. Sowohl die Präzision ist nicht mehr wirklich gut, und auch die Vielfalt an Rhythmus und Dynamik scheint eher limitiert.
DAS MACHT ABER ÜBERHAUPT NICHTS!
Das Publikum ist sich unausgesprochen kollektiv einig, dass hier eine lebende Legende auf der Bühne steht. KK nimmt sein Publikum mit zu einer Reise. Die Exkursion eines zweistündigen Konzertes, die von seiner musikalischen Lebensreise erzählt. Der Ort scheint pure Emotion. Alle großen Klassiker sind dabei, er fesselt von der Ersten bis zur letzten Minute. Und auch wenn es platt klingt, der Mann hat eine raumfüllende Ausstrahlung. So etwas kann man nicht lernen. Das hat schon etwas „Obama°eskes“ wie er durch pure Anwesenheit, sein Publikum einfängt. Es ist mit Händen zu greifen, dass KK nur noch eine Botschaft hat, nämlich die Zerbrechlichkeit des Lebens in seinen tiefen Glauben einzubetten und seinem Publikum nahe zu bringen. Zerbrechlich und unvollkommen sind die Geschichten, die er in seinen Texten erzählt, gepaart mit einem unerschütterlichen Glauben. Die Magie des Abends lebt von der Unvollkommenheit, von der Zerbrechlichkeit, von der Virtuosität einer unfassbaren Klarheit. So sind auch, seine letzten Worte, mit denen er sich bei Standing Ovation`s vom Publikum verabschiedet: „God bless you, Frankfurt“.
God bless you too, Kris!

Heute darf selbst das Bild unvollkommen sein!

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