Aussteiger?

Manchmal frage ich mich schon, warum ausgerechnet ich / wir so eine große Lust nach dem Unbekannten spüren. Der Duden gibt im übrigen als Synonym zu „unbekannt“ den Begriff „andersartig“. Bin ich anders als der Rest meiner Art? In einem Buch des Theologe Rainer Haak habe ich folgenden Satz gefunden:
Wir brauchen Aussteiger, die ganz anders leben als die Mehrheit und die uns den Spiegel vorhalten
Auch hier ist wieder das anders enthalten. Wenn ich die Gedanken mal gegen den Strich bürste, dann ist mir tatsächlich vieles zuwider, was so normal ist. Wobei ich aber auch irgendwie typisch Deutsch bin. Mir fallen zahllose Stichworte ein, über alltägliches, dass auch bei mir geht. Und wenn es ein gerne genommener Schweinebraten is(s)t! Das andere spielt sich meinerseits tatsächlich in einer völlig enthemmten Neugier ab. Nachdenklichkeit erzeugt allerdings der zweite Teil des Satzes.
… die uns den Spiegel vorhalten„.
Will ich das? Anderen den Spiegel vorhalten. Nein ich will es nicht, muss aber feststellen: Jedes mal wenn ich jemanden von unserem Traum erzähle, dann erzeuge ich automatisch einen meterhohen Spiegel, ob ich das will oder nicht! Das merke ich gut an den Reaktionen. Der Gesprächspartner scheint in diesen unwirklichen Spiegel zu schauen, blinzelt mir zu und überlegt, wie er es mit der Andersartigkeit hält.
Die Gespräche im Nachgang eines solchen Momentes sind häufig Sternstunden persönlicher Kommunikation. Voneinander erfahren, andere wirklich kennen lernen, hören. Genau das ist es, was wir tatsächlich brauchen. Momente die gemeinsam durchlebt werden, des aufeinander Eingehens, des Respekts und der Achtung vor dem Andern. Weil, JEDER ist andersartig, fast überall. Ja ich glaube die Welt braucht die Aussteiger tatsächlich und ich will einer von Ihnen sein.

Vorbereitung die Zweite

Den modernen Ablasshandel teilen sich Psychotherapeut und Diätassistentin.

Dieses wunderbare Zitat des Aphoristikers René Steininger, ist mir heute begegnet. Zum Glück habe ich keine Diätassistentin und auch an jeglicher Form des Ablasshandel würde ich mich, als Theologe mit klarem Lutheraner Profil, nicht beteiligen. Trotzdem freue ich mich natürlich über den aktuellen Zwischenstand. Minus 5 Kilos. Noch Zehn und ich habe Weltreisegewicht!

Wäre übrigens mal eine interessante Frage ob Menschen auf Langzeitreisen eher an Gewicht zulegen oder verlieren. Ich glaube ich werde auf den Blogs, die ich so verfolge, mal auf den Bildern darauf achten.

FitnessBlog

Vorbereitung der anderen Art

Wer sich mit Reisevorbereitungen beschäftigt findet regelmäßig ähnliche Themen in den einschlägigen Ratgebern. Ebenso auf Reiseblogs wie dem unsrigen, die im Vorfeld all das aufzeigen was wichtig ist. Fahrzeugwahl, technische Vorbereitungen, Fragen der Unterkunft, welche Versicherungen, welche Papiere werden benötigt. Was muss zu Hause geklärt werden und so weiter. Bei Fragen der persönlichen Gesundheit geht es in der Regel um die richtige Krankenversicherung und Vorsorgemaßnahmen, wie die Klärung der richtigen Impfungen. Eins findet sich dann doch eher selten, nämlich die ganz persönliche Vorbereitung. Wie bereite ich meinen Körper auf die Zeit des Unterwegs -seins vor. Einmal habe ich etwas darüber gelesen, wie noch schnell eine Knie-OP durchgeführt wurde und dann nochmal über den Besuch des Zahnarztes. Das war`s ? Ich schaue an mir herunter! Da gibt es nichts schön zu reden, unter meinem T-Shirt wölbt sich etwas, dass da eigentlich nicht hingehört. Manche nennen es „Waschbär-Bauch“, andere stellen fest, dass ein Mann ohne Bauch ein Krüppel sei.

NEIN,… NEIN,… NEIN,…

Ich will nicht mit meiner Wohlstandswampe auf Weltreise gehen. Mir fällt ein, dass ich im kommenden April 50 werde! Wenn das mal keine Grund ist, das Thema zu vertiefen. Also ich habe einen Plan. Ich schenke mir zu meinem 50. Geburtstag, dass mein aktuelles Kampfgewicht um 15 kg reduziert wird und dann werde ich im Frühjahr 2017 einen Marathon laufen. Gesagt getan, ich jogge ja wirklich schon seit vielen Jahren, habe aber jedes Jahr das gleiche Problem. Wenn es in den Winter geht, fällt die Motivation schwer, durch den kalten, nassen und dunklen Wald zu laufen. Dazu gibt es bei mir um die Ecke das Fitness-Studio meines Vertrauens. Da war ich an vergangenen Freitag zum Probetraining. Zunächst steht die Gewichtsanalyse und ein Check zur Befindlichkeit an. Der Trainer ist schon ganz schön ehrlich.

„Du bist zu dick und deine Organe schwimmen im FETT!“ Okay das hat gesessen. Außerdem zwickt schon hier und da der Rücken, wen wundert es bei überwiegend sitzender Tätigkeit. Mein Programm ist jetzt so ausgelegt, das es ca. 60 % Ausdauer und 40 % die Muskulatur (überwiegend Rücken) stärkt. Ich habe mich also angemeldet, flaniere ab sofort dreimal wöchentlich zum Training und beginne gleichzeitig mit umgestellter Ernährung. Das wäre doch gelacht. Meine abendlichen Wege führen mich ab sofort nicht mehr zum Kühlschrank sondern zum Sport. Ich werde hier berichten wie es vorwärts geht.

fitness copy copy copy  Neulich im Fitness – Studio

Urlaubsvorbereitungen

Noch 10 Tage, dann starten wir zu unserem ersten großen Urlaub mit Elwood, Dachzelt und so weiter. Es geht für drei Wochen nach Norwegen. Vor lauter Alltag, haben wir es tatsächlich versäumt, „aufgeregt“ zu werden.
Trotzdem kommt so langsam die Vorfreude. Insbesondere weil Norwegen als Land für uns beide total jungfräulich ist. Wir haben Vorstellungen, wie Natur, Fjorde, Stabkirchen und Knäckebrot,… wobei, das gehört doch nach Schweden? War Hägar aus Norwegen? Er ist dann auf jeden Fall mein Lieblingsnorweger! Einfach eine coole Socke.
Zu unseren Vorbereitungen:
Der Elwood hat eine Inspektion bekommen und noch neue Bremsen vorne. Ansonsten alles technisch im grünen Bereich. Kommenden Samstag werden wir unser Dachzelt montieren und die Aluboxen vorbereiten. Dann wird eingekauft, Norwegen ist teuer.
Im Urlaub will ich Material sammeln um darauf eine Multimediashow zu entwickeln. Das ganze so zu sagen als Übung, da wir so etwas ja auch irgendwann auf der Panamericana erstellen werden. Interessanterweise gibt es dafür ziemlich wenig Literatur. Ich bin noch auf der Suche, werde es mir wohl selbst erarbeiten.
Unser Plakat könnte so aussehen:

Plakat Norwegen

Was soll ich denn dort?

Wenn man ein solches Reiseprojekt plant, steht automatisch irgendwann die Frage nach dem Sinn im Raum. Die Radikalität eines solchen Schrittes wird immer dann klar, wenn wir mit mindestens genauso radikal entwaffnenden Rückmeldungen konfrontiert werden!

Meine Gattin hat eine Oma. Diese Oma lebt seit über acht Jahrzehnten in einem kleinen Ort irgendwo in Mitteldeutschland. Wenn wir zu Besuch sind, sitzen wir gerne bei ihr und dem dazugehörigen Opa und lassen uns Geschichten aus Ihrem Leben erzählen. Beim Thema Reisen ist der Umfang, den Oma und Opa beisteuern können eher gering. Genau genommen gibt es eine Reise in Ihrem Leben. Die beiden haben anlässlich Ihrer Silberhochzeit, vor über vier Jahrzehnten, eine organisierte Wolga-Don Schiffsreise gemacht. Das war es zu dem Thema. Wir haben obwohl rund halb so alt, naturgemäß viel mehr zu erzählen. Bemerkenswert für mich ist, dass durch diesen einseitig und langweilig erscheinende Umstand, absolutes entstand! Bei einer dieser gemeinsamen Gespräche ist dann der für mich legendäre Satz gefallen. Die Gattin fragte die Oma: „Hast du denn nie das Bedürfnis gehabt, einmal wo anders zu leben?“ Antwort:

Was soll ich denn dort?

Der Satz ist so was von atemberaubend! Je länger ich darüber nachdenke, um so mehr entsteht in meinen Gedanken eine virtuelle Schnapp-Atmung. Was soll ich den dort? Sie fragte weder nach dem Ziel, noch nach dem Grund oder einem anderen Thema, über unseren eigenen, nicht übertragbaren Antrieb zum Reisen. Nein, die Oma ist sich dort genug, wo sie lebt. Meine Gedanken haben dazu eine ungeheure Wucht bekommen. Was soll ich eigentlich da? Je mehr ich darüber nachdenke, umso klarer wird mir, im Gegensatz zur Oma, sind wir von der Gattung, mit der Grundfrage: „Was soll ich noch hier“? Und genau aus diesem Kontrastprogramm entstehen die Momente, die ich mir auf unserer Reise wünsche.

Gattung „Was soll ich den dort“ trifft Kategorie: „Was soll ich noch hier“?

Oma