Wochenende in DUBLIN

Zu Dublin ist mir bisher nur ein Stichwort eingefallen: Rory Gallagher! Für mich einer der besten Gitarristen… ever! Seine Musik strahlt etwas ganz Besonderes aus. Töne werden zu emotionalen Sternstunden des menschlichen Seins. Dem konnte Dublin so leider nicht auf Augenhöhe begegnen. Der letzte Punch hat sich verweigert, trotz einem tollen Abend in Dublins bekanntestem Pub, dem Brazen Head. Sehr zu empfehlen. Und auch die Special-Effekt-Einlage unseres Hotels am Sonntagmorgen um 6:30 Uhr, soll nicht unerwähnt bleiben. Feueralarm mit Evakuierung; Fehlalarm! Am meisten beeindruckte mich wie so oft eine Begegnung. David O’Tool hies ER… sounds very Irish. David ist Taxifahrer und auf dem Heimweg kamen wir ins Gespräch. Und dann habe ich einen Fehler gemacht, der mir sonst beim Reisen nicht passiert. Über Politik gesprochen. Die Vorlage kam allerdings von ihm: „What do you think about Angela Merkel?“ Während ich noch nach einer geistreichen Antwort in meinem Englisch Wortschatz krame, gleich noch einer hinterher: „SHE invite all the refugees“. Wir philosophieren über Waffengeschäfte, Ethik und Moral, kommen aber nicht zusammen. Während des Gesprächs wird mir bewusst, welche Bedeutung sein erster Satz hatte. „You come to Dublin and look the poor people“ Okay das Ganze zusammen gefasst vielleicht so:
Das irische Selbstverständnis spürt, dass ihre Insel eine Art Zoo ist, in dem Europäer vom Festland, die armen Eingeborenen anschauen. Und deren Chefin kümmert sich um arme Refuges von überall her, nur die Insel ist ihr egal.
Hm… ich verlasse das Taxi sehr nachdenklich. Wenn die Briten ähnlich fühlen, wird der Brexit zumindest erklärbar.

 

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In Koblenz bei Rhein in Flammen

Rhein in Flammen 2017. Gestern Nacht war ich in Koblenz. Bei Rhein in Flammen fahren an fünf Sommerabenden im Mitterheintal hell erleuchtete Passagierschiffe, in Konvois über den Fluss, um ihren Gästen den Ausblick auf das gesamte Feuerwerk zu ermöglichen. Dies wird jeweils beim Eintreffen der Schiffe gezündet. Und es hat geklappt. Die Schiffe waren bunt, erleuchtet und pünktlich wie die Kirchturmuhr, als genau 23 Uhr von der Festung Ehrenbreitstein das Feuerwerk gezündet wurde. Alles rundum proppenvoll, und der Moment lädt ein, den Alltag mal hinter sich zu lassen. Sorgen verglühen in den großartigen Feuerwerks Kontingenten und es kehrt am Fluss eine kollektive Magie der Abwesenheit ein. Trotz vorherigem Gerangel um gute Plätze und Standorte für Stative, ist schlagartig alles was stört pulverisiert. Sehr zu empfehlen!

Neulich am Fluss

Die Faszination von Rom ist schwer zu erklären. Besser noch ist es, dieses ganz besondere Lebensgefühl zu erfahren. Spaziergänge an Flüssen gehören für mich zweifelsohne dazu. Wer je die außergewöhnliche Erfahrung am Rheinufer in Köln, am Mainufer in Frankfurt, an der Themse in London oder auch an der Lahn in Bad-Ems gemacht hat, wird wissen was ich meine. Ein Spaziergang am Tiber gehört tendenziell eher nicht dazu. So rät auch einer meiner Reiseführer explizit davon ab. ICH empfehle ihn dringend! Um Rom wirklich zu spüren, muss man bereit sein, rationale Entscheidungen sein zu lassen.
Das geht am Bus los. Die Tür öffnet sich. Der Bus ist voll, nein er scheint eine ähnlich gefüllte Dimension wie Rainer Calmund zu haben. Sachlich passt da niemand mehr rein. DOCH! Der Römer, die Römerin machen Platz. Es ist eng, es ist heiß, und trotzdem wabert ein Gefühl des aufgenommen Seins durch den Bus. Für den Moment bist du kein Fremder. Dieses vollkommen Irrationale hält der Flussspaziergang bereit.
Man startet am besten am Piazza del Popolo und läuft direkt die Via Ferdinando di Savoia zum Fluss. Es fällt auf, dass die Wasserfläche in etwa zehn Meter unter dem Straßenniveau ist. Unten angekommen wirken die fast senkrecht aufstrebenden Steinmauern bedrohlich. Plötzlich ist die Stadt weit weg. Man kann sie am Grundlärmpegel noch erahnen. Ich laufe auf einem lieblos befestigten, nur zum Teil asphaltierten Weg. Bänke oder freundlich gestaltete Plätze, Fehlanzeige. Touristen, Selfie Models, Fehlanzeige. Ich bin alleine mit der Stadt. Was will Sie mir sagen? Emotionen fließen lassen, das ist Rom. Und die Ewige Stadt gibt es zurück. Langsam aber gewaltig. Die Brücken werden ansehnlicher. Umbertos Ponte markiert einen ersten Höhepunkt. Eine wunderschön anzusehende Brücke führt auf den Corte de Cassazione zu, der jedem Architektur – Ästheten Tränen in die Augen treibt. Und weiter, die Stadt kommt gerade in Topform! Es folgt Ponte San Angelo und das Castel San Angelo. Mehr geht nicht. Pardon, wer nach einem solchen multiplen Lustgewinn, besser Fluss Spaziergang, nicht auf Wolken durch die Stadt schwebt, der wird Rom nie verstehen. Mir ruft sie zu: Hei, schön dass du angekommen bist.

Wellness bei Massimo

Wellness Tempel gibt es ja in den unterschiedlichsten Kulturen und Varianten. Das kann man auf Reisen entdecken oder man begibt sich zu Hause auf die Suche. Warum nicht mal in Frankfurt italienischen Wellness Urlaub machen. Egal.

Ich war heute beim italienischen Friseur. Massimo ist gebürtiger Römer und ICH ein typischer Deutscher, dessen durchschnittliche Verweildauer beim Friseur im 10 Minuten Bereich angesiedelt ist. Um es vorweg zu nehmen, es war fast eine Stunde bei Massimo in seinem Wellness Tempel. Ich habe mich in seine Hände begeben und einfach fliesen lassen, was ich nicht kannte. Eigentlich hätte ich einen kleinen Plausch mit Massimo während der Behandlung gut gefunden. Aber ich habe das Berufsverständnis eines italienischen Friseurs unterschätzt. „Wir sind hier nicht beim türkischen Maschinen-Friseur“. Das hat der original zu mir gesagt und dann erst mal geschwiegen. Geschwätzt haben wir danach noch.

Massimo hat mit der Ruhe und Ernsthaftigkeit eines Brauerei-Gauls und dazu der Präzision eines Goldschmiedes, der gerade die Kronjuwelen bearbeitet, seine Arbeit getan. Pardon, seine Kunst erschaffen. Scheren umschwirren mich wie ein Schwarm Sommerbienen, Rasierschaum wird geschätzte zweiundachtzig Mal auf meiner Haut einmassiert, dass Rasiermesser gleitet über meine verstoppelte Visage und Massimo lebt seine Berufung. Der Mann ist mit Leib und Seele Parrucchiere. Und ich wundere mich wie schnell doch die Zeit vergangen ist. Die ersten zehn Minuten waren, zugegeben, für mich schon reichlich gewöhnungsbedürftig. Aber dann hatte ich italienische Wellness, PUR! Sehr zu empfehlen. Massimo du bist meraviglioso.

 

 

Lebenslange Reise

Heute Abend erzähle ich von einer Reise der anderen Art. Meine Liebe zum Reisen habe ich durch meinen Dad bereits in den väterlichen Erbanlagen mitbekommen. Er war Fernfahrer und hatte damit seine Berufung gefunden. Viele Jahrzehnte ist er kreuz und quer, mit einem Vierzigtonner durch Europa gefahren, und hatte immer wieder große Freude daran, die Welt neu kennen zu lernen. Einmal in meinem Leben waren wir gemeinsam im Kino. Convoy hieß der Film, und es muss 1979 gewesen sein. Hierbei handelt es sich für mich, um die Mutter aller Roadmovies! Die Hauptrolle war der Trucker Rubberduck, der von Kris Kristofferson gespielt wurde.
Und genau dieser KK, hauptberuflich Countrysänger und Songwriter, war heute Abend in der Jahrhunderthalle, Frankfurt am Main zu Gast. Wenige Tage nach seinem 81. Geburtstag, war für mich dieses Konzert eine Pflichtveranstaltung, weil… Herzensangelegenheit. Kristofferson hat für die ganz Großen Lieder geschrieben. Johnny Cash, Elvis Presley, Janis Joplin und Bob Dylan, um nur einige zu nennen, haben seine Songs gesungen und interpretiert.
Die Halle ist fast ausverkauft, viele die mit dem Star gealtert sind, aber auch jüngere Semester können im Publikum wahrgenommen werden. Analysiert man den Abend sachlich, wäre festzustellen, dass jeder Jugendliche, der den Gitarrenkurs für Fortgeschrittene in der Volkshochschule hinter sich hat, vermutlich besser ist. Sowohl die Präzision ist nicht mehr wirklich gut, und auch die Vielfalt an Rhythmus und Dynamik scheint eher limitiert.
DAS MACHT ABER ÜBERHAUPT NICHTS!
Das Publikum ist sich unausgesprochen kollektiv einig, dass hier eine lebende Legende auf der Bühne steht. KK nimmt sein Publikum mit zu einer Reise. Die Exkursion eines zweistündigen Konzertes, die von seiner musikalischen Lebensreise erzählt. Der Ort scheint pure Emotion. Alle großen Klassiker sind dabei, er fesselt von der Ersten bis zur letzten Minute. Und auch wenn es platt klingt, der Mann hat eine raumfüllende Ausstrahlung. So etwas kann man nicht lernen. Das hat schon etwas „Obama°eskes“ wie er durch pure Anwesenheit, sein Publikum einfängt. Es ist mit Händen zu greifen, dass KK nur noch eine Botschaft hat, nämlich die Zerbrechlichkeit des Lebens in seinen tiefen Glauben einzubetten und seinem Publikum nahe zu bringen. Zerbrechlich und unvollkommen sind die Geschichten, die er in seinen Texten erzählt, gepaart mit einem unerschütterlichen Glauben. Die Magie des Abends lebt von der Unvollkommenheit, von der Zerbrechlichkeit, von der Virtuosität einer unfassbaren Klarheit. So sind auch, seine letzten Worte, mit denen er sich bei Standing Ovation`s vom Publikum verabschiedet: „God bless you, Frankfurt“.
God bless you too, Kris!

Heute darf selbst das Bild unvollkommen sein!

In Frieden wohnen!

»Dieses Land soll für euch ein Ort der Ruhe werden. Gönnt den Erschöpften eine Pause! Hier könnt ihr in Frieden wohnen!«
Welch ein wunderbarer Vers des Propheten Jesaja. Die Bibel hält einen unsagbaren Schatz an Zusprüchen bereit, die von größter Aktualität und Relevanz sind. Dem muss man im Grund gar nichts hinzu fügen. Nächste Woche geht es los und ich werde sicher spannendes mitbringen und hier auch verarbeiten. Ich wünsche auf diesem Weg erst mal allen Leserinnen und Lesern einen tollen Sommer und wunderbare Begegnungen mit Land und Leuten. Wo auch immer ihr seid, mögt ihr in Frieden wohnen.
Shalom!